in Memoriam

Uamol seg mo ins wiedo...

Erinnerungen an einen Freund und Bergkameraden

Es ist jetzt schon einige Zeit vergangen, und doch scheint es uns immer noch unwirklich, dass du nicht mehr bei uns bist. Was uns von dir geblieben ist, sind viele schöne Erinnerungen.

Den Dreikönigstag des heurigen Jahres werden wir nie vergessen. Es war ein schöner Tag – perfekt für eine Schitour auf die Schneespitze in Rein. Du warst mit vier Freunden unterwegs. Leider meinte es das Schicksal nicht gut mit dir und eine Lawine riss dich kurz vor dem Gipfel, über felsiges Gelände, mit in die Tiefe. Es ist nicht zu verstehen, dass dies gerade dir, der so viel in den Bergen unterwegs und so erfahren war, passieren sollte.

Deine Kindheit war die eines bodenständigen Terners – aufgewachsen am Bauernhof. In der Jugend ging’s los mit dem Motorradfahren. Der eine hatte eine Vespa, und du hattest einen „Fifty“. Wild ging‘s drauflos, rauf auf die Böschungen, quer durch Wälder und Wiesen. Mit zunehmendem Alter nahm auch die Größe der Mopeds zu. Eines blieb aber stets im Vordergrund: die Gaudi – und natürlich wollten du und deine Freunde auch imponieren.
Dann die Zeit bei den Pfadfindern. Endlich die Chance für euch, etwas weiter weg zu kommen. Runter an den Gardasee, Aufenthalt an der Adria. Ihr hattet eure Lehrmeister, und du, lieber Hubert, hast diese Lehrstunden aufmerksam aufgenommen, um in späteren Jahren dann dieses Wissen weiterzugeben. Ihr wart die jungen Wilden! Kraft und Begeisterung waren da, Erfahrung nicht allzu viel. Das hat euch aber nicht davon abgehalten, in Sportkletterrouten einzusteigen, Pfade mit dem Mountainbike zu befahren und allerhand waghalsige Dinge zu tun. Und dann gab es immer die berühmten Herz-Jesu-Feuer. Holz sammeln, Mädchen einladen und eine Hetz haben – das war das Motto.
Es dauerte nicht lange, da ging es los mit den Schitouren. Von den legendären Aufstiegen aufs Terner Jöchl wird heute noch oft erzählt. Ausgerüstet mit primitivem Material und der Knödelsuppe als Proviant, gab es für euch keine Hindernisse. Am Samstagabend war Abendmesse angesagt und am Sonntag wartete bereits die nächste Schitour auf euch. So war das Programm – und das wurde mehr oder weniger über viele Winter so eingehalten. Als ihr dann selbst Autos hattet, blieb der Rhythmus ähnlich, nur wurden die Schitouren immer länger. Aber nicht weil die Tour länger war, sondern die Aufenthalte in Bars und Kneipen. Es musste ja auch gefeiert werden, und wie wir alle wissen, haben Bergsteiger den Ruf durchzuhalten, auch beim Feiern. Und dem musstet ihr ja gerecht werden. Die Berge wurden so für dich mit den Jahren mehr und mehr zum Mittelpunkt.

Beruflich galt deine Leidenschaft dem Holz, und so machtest du die Lehre zum Tischler. Aufgrund deines Fleißes und deines Könnens wurdest du an deinem Arbeitsplatz sehr geschätzt und wirst heute noch in Ehren gehalten. Als Vorarbeiter in der Tischlerei hast du deine und die Ideen deiner Kunden verwirklicht. Mit der Zeit zu gehen und dich stets weiterzubilden, war dir sehr wichtig.
Bei deinen Arbeitskollegen warst du geschätzt und beliebt. Immer wieder traf man sich nach der Arbeit bei einem Bier, um die Kameradschaft zu pflegen. Wenn von jemandem Hilfe oder ein Rat gebraucht wurde, warst du zur Stelle.

Mit 15 Jahren bist du dem Alpenverein beigetreten und hast die Möglichkeit genutzt, auch andere Berge außerhalb des Dorfes zu erkunden. Schitouren in jedem Winkel des Landes, Kletterrouten in den Dolomiten, Hochtouren auf die 4000er der Westalpen, Reisen nach Kanada, Asien und Argentinien waren nur einige deiner Ziele.
Im Jahre 1995 kamst du in den Ausschuss des AVS Terenten und drei Jahre später übernahmst du für 15 Jahre die Führung der Ortsstelle. Du hast dich unermüdlich und mit viel Fleiß und Disziplin für den Verein eingesetzt und ihn vorangetrieben. Viele Stunden deiner Freizeit hast du in Sitzungen und Vorbereitungen für den Alpenverein investiert. Dir war stets wichtig, dass sich der Verein weiterentwickelt. Vor allem die Förderung und Ausbildung der Jugend war dir von großer Bedeutung. Der Mitgliederzuwachs auf über 700 Personen ist der Beweis für die gute Arbeit, die du mit deinem Ausschuss geleistet hast. Als erfahrener Tourenbegleiter hast du sowohl bei AVS-Touren als auch privat manchen Bergsteiger auf bekannte Gipfel mitgenommen und so deine Erfahrung und Leidenschaft fürs Bergsteigen an andere weitergegeben.

So manche Hüttenübernachtung hast du mit deinen Witzen aufgeheitert, wer kennt ihn nicht, deinen legendären Witz „Vom alten und jung Keutra“. Auch deinen Trinkspruch „Hegidex prost Stuanspitz tschuhui“ werden wir in deinem Sinne weiterführen. Kein anderer schaffte es so wie du, am Gipfel eines Berges, bei angenehmen Temperaturen, innerhalb kürzester Zeit ein „Raschtale“ zu machen oder einfach mal einen Kopfstand, wie du es auf den 4000ern der Westalpen getan hast. Auch beim Tiefrastenlauf warst du ein fixer Teilnehmer. Kein anderer schaffte es so wie du, in den Pausen deinen Proviant so genussvoll zu verzehren. Selbst beim „Stabiler Höhenweglauf“ hast du eine Pause eingelegt, dich hingesetzt und gelacht, als andere an dir vorbeiliefen und du genüsslich gegessen hast.

Dein Ziel war nicht immer der Gipfel eines Berges, vielmehr konntest du auch deinen Mitmenschen die Schönheit der Natur vermitteln. So hast du auch vor kurzem die Ausbildung zum Wanderführer absolviert. Zudem warst du auch 20 Jahre als Bergretter tätig. Dich weiterzubilden und deine Erfahrung weiterzugeben, war für dich wichtig. Als Fachmann für Lawinenkunde warst du auch Präsident der örtlichen Lawinenkommission.

Du hast es verstanden, deine Mitmenschen zu unterhalten. Und darum warst du auch weit übers Dorf hinaus bekannt und beliebt. Für deine Familie und deine Freunde warst du stets zur Stelle, und man konnte sich auf dich verlassen.
Als vor drei Jahren dein Freund und Jahrgangskollege Gerry an Leukämie erkrankte, bist du immer für ihn da gewesen. Auch er war im AVS-Ausschuss und gemeinsam habt ihr jede Menge erlebt, auf den unzähligen Touren, die ihr zusammen gemacht habt. Ihn hast du auf seinem Leidensweg, den er aufgrund seiner Erkrankung gehen musste, stets begleitet und hast ihm viel Kraft gegeben. Leider hat Gerry diesen Kampf verloren.

Hubs, du wirst uns fehlen! Mit dir haben wir einen Lehrmeister, Kamerad und guten Freund verloren. Danke für die schöne Zeit! Dein unverwechselbares, verschmitztes Lächeln wird uns in Erinnerung bleiben. Wir werden in deinem Sinne den Alpenverein weiterführen – und „uamol seg mo ins wiedo“…